Fehlt in einer Stellenanzeige die Gehaltsangabe, zögern die meisten Jobsuchenden in Deutschland. Laut einer Umfrage von Jooble unter 1.231 Jobsuchenden in Deutschland bewerben sich nur 29,6 Prozent in jedem Fall. 54,1 Prozent tun dies nur dann, wenn die Stelle sie besonders anspricht, 7,3 Prozent bewerben sich in der Regel nicht, und 9 Prozent bewerben sich grundsätzlich nie ohne Gehaltsangabe. Dabei belegt die Gehaltsangabe den zweiten Platz unter den wichtigsten Kriterien einer Stellenanzeige, direkt nach der Aufgabenbeschreibung und noch vor flexiblen Arbeitszeiten, dem Standort sowie Benefits.
Die Veränderungen stehen bereits vor der Tür. Ab Juni 2026 verpflichtet die EU-Entgelttransparenzrichtlinie Arbeitgebende dazu, das Gehalt direkt in der Stellenanzeige anzugeben. Doch wissen Jobsuchende davon überhaupt, und was erwarten sie davon? Die Umfrageergebnisse liefern überraschende Antworten.
Faire Bezahlung ohne Gesetz? Die Mehrheit glaubt es nicht
Obwohl die neuen Regelungen noch nicht in Kraft getreten sind, ist die Haltung der Jobsuchenden gegenüber Arbeitgebenden bereits gefestigt. Auf die Frage, ob sie darauf vertrauen, dass Arbeitgebende auch ohne gesetzliche Verpflichtung fair und gleich bezahlen, antwortete nur jede siebte Person mit „ja, voll und ganz" (15,3 Prozent), und jede vierte Person vertraut eher schon (24,0 Prozent). Mehr als jede zweite Person vertraut hingegen nicht, entweder eher nicht (46,1 Prozent) oder überhaupt nicht (14,6 Prozent).
Die Skepsis gegenüber Arbeitgebenden wächst mit der Berufserfahrung. Unter den jüngsten Befragten, im Alter von 18 bis 24 Jahren, vertrauen bereits mehr als die Hälfte nicht (51,2 Prozent). In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen übersteigt dieser Wert bereits die 60-Prozent-Marke, und unter den 35- bis 44-Jährigen erreicht er seinen Höchststand von 65,1 Prozent. Danach stabilisiert sich das Misstrauen etwas: Bei den 45- bis 54-Jährigen liegt es bei 59,3 Prozent, bei den Befragten ab 55 Jahren bei 61,0 Prozent.

Infografik von Jooble zeigt das Misstrauen gegenüber Arbeitgebenden nach Altersgruppe. Den Höchstwert erreicht die Gruppe der 35- bis 44-Jährigen mit 65,1 %.
Ein neues Gesetz, von dem kaum jemand weiß, von dem aber viele erwarten
Zwischen den Erwartungen an das neue Gesetz und dem tatsächlichen Kenntnisstand klafft eine deutliche Lücke. Nur 13,4 Prozent der Befragten wissen gut darüber Bescheid, dass Arbeitgebende in der EU ab Juni 2026 verpflichtet sein werden, das Gehalt bereits in der Stellenanzeige anzugeben. Weitere 36,9 Prozent haben davon gehört, kennen aber keine Details. Fast jede zweite Person, nämlich 49,7 Prozent, erfährt davon zum ersten Mal.
Dabei setzen diejenigen, die von dem Gesetz erfahren haben, große Hoffnungen in es. Mehr als vier von zehn Personen, nämlich 40,7 Prozent, glauben, dass es ihre Situation deutlich verbessern wird, und weitere 28,3 Prozent rechnen zumindest mit teilweisen Veränderungen. 14,6 Prozent sind überzeugt, dass sich für sie persönlich nichts ändern wird, und 16,4 Prozent sind sich noch unsicher.
Eine Gehaltsangabe zu machen bedeutet noch nicht, transparent zu sein
Jobsuchende haben klare Vorstellungen davon, welche Form der Gehaltsangabe in einer Stellenanzeige für sie am nützlichsten ist. 41,8 Prozent bevorzugen eine konkrete Summe, zum Beispiel 3.200 Euro brutto pro Monat. Weitere 34,6 Prozent sind mit einer engen Gehaltsspanne einverstanden, etwa 3.000 bis 3.400 Euro. Eine breite Gehaltsspanne, zum Beispiel 2.500 bis 4.200 Euro, halten hingegen nur 10 Prozent für am hilfreichsten, und für 13,6 Prozent der Befragten reicht die Angabe „Gehalt nach Vereinbarung" aus.
Bemerkenswert ist, dass eine breite Gehaltsspanne nicht nur wenig überzeugt, sondern auch Misstrauen weckt. Auf die Frage, wie Befragte eine breite Gehaltsspanne in einer Stellenanzeige empfinden, antworteten 24,8 Prozent, das sei fast genauso intransparent wie gar keine Angabe. 37,0 Prozent vermuten, dass das Unternehmen bewusst plant, das niedrigstmögliche Gehalt aus der Spanne zu zahlen. Lediglich 23,8 Prozent sehen eine breite Spanne als einen Schritt in die richtige Richtung, und nur 14,4 Prozent ist die Form gleichgültig, solange die Details im Vorstellungsgespräch besprochen werden können.

Infografik von Jooble zeigt, wie Jobsuchende breite Gehaltsspannen in Stellenanzeigen wahrnehmen. Für 6 von 10 Befragten ist eine breite Spanne ein negatives Signal.
Die Kollegin oder der Kollege verdient mehr, und jede zweite Person weiß es
Das Thema Gehalt bleibt nicht nur bei der Jobsuche ein wunder Punkt, sondern auch im Arbeitsalltag selbst. Mehr als die Hälfte der Befragten, nämlich 56,5 Prozent, hat bereits die Erfahrung gemacht, dass eine Kollegin oder ein Kollege in einer vergleichbaren Position deutlich mehr verdient. Weitere 23,8 Prozent können das weder bestätigen noch widerlegen, weil in ihrem Unternehmen nicht über Gehälter gesprochen wird. Nur 19,7 Prozent gaben an, diese Erfahrung nicht gemacht zu haben.
Dabei wird die Ungleichheit beim Gehalt häufig bereits vor dem Jobbeginn angelegt, nämlich im Vorstellungsgespräch. 22,9 Prozent der Befragten gaben an, häufig nach ihrem bisherigen Gehalt gefragt worden zu sein, weitere 31,7 Prozent haben dies zumindest einmal erlebt. Hingegen gaben 33,5 Prozent an, nie danach gefragt worden zu sein, und 11,9 Prozent erinnern sich nicht. Von denjenigen, die diese Frage gestellt bekamen, hatte jede dritte Person das Gefühl, dass die Antwort das Gehaltsangebot negativ beeinflusst hat. 27,1 Prozent bemerkten keinen solchen Einfluss, während 41,0 Prozent unsicher waren.
Methodik
Die Umfrage wurde von Jooble im Zeitraum vom 07. April bis zum 06. Mai 2026 durchgeführt. Insgesamt nahmen 1.231 Personen teil, die aktiv eine Stelle in Deutschland suchen. Die statistische Fehlerquote liegt unter 3 Prozent.
Die größte Altersgruppe unter den Befragten sind Personen ab 55 Jahren (35,2 Prozent), gefolgt von 45 bis 54 Jahren (24,4 Prozent), 35 bis 44 Jahren (20,7 Prozent), 25 bis 34 Jahren (12,9 Prozent) sowie 18 bis 24 Jahren (6,8 Prozent). Nach Tätigkeitsbereich entfallen 35,2 Prozent auf die Kategorie „Sonstiges", 25,7 Prozent auf gewerbliche und handwerkliche Tätigkeiten, 21,7 Prozent auf kaufmännische und bürobezogene Berufe, 11,8 Prozent auf fachliche und technische Berufe, und 5,6 Prozent auf Führungspositionen.
Über Jooble
Jooble ist ein globales produktbasiertes IT-Unternehmen, das als sein Hauptprodukt eine internationale Jobsuchmaschine entwickelt, die Millionen Menschen aus 66 Ländern täglich benutzen. Sie gehört zu den Top-10-Webseiten der Welt in der Kategorie 'Jobs und Beschäftigung' bezüglich des Traffics laut Similarweb.

