Ab Juni 2026 verändert die EU-Entgelttransparenzrichtlinie die Bedingungen für Arbeitgebende in der gesamten EU: Die Gehaltsangabe in Stellenanzeigen wird zur Pflicht, die Frage nach dem bisherigen Einkommen von Bewerbenden wird verboten, und das Recht auf Information über die Vergütung von Kolleginnen und Kollegen wird gesetzlich verankert. Das Gesetz legt jedoch nur Mindestanforderungen fest. Eine aktuelle Umfrage von Jooble unter 1.231 aktiv jobsuchenden Personen in Deutschland zeigt, dass es für Bewerbende nicht nur darum geht, ob eine Gehaltsangabe vorhanden ist, sondern auch darum, wie sie gemacht wird.
Gehaltsangabe: das zweitwichtigste Kriterium in einer Stellenanzeige und der erste Grund, sich nicht zu bewerben
Bevor es um die Form der Gehaltsangabe geht, lohnt ein Blick auf ihren Stellenwert unter den übrigen Prioritäten. Auf die Frage, was in einer Stellenanzeige am wichtigsten ist, nannten die Befragten folgende Kriterien:
- Aufgabenbeschreibung
- Gehaltsangabe
- Arbeitszeiten und Flexibilität
- Standort und Erreichbarkeit
- Benefits (z. B. Urlaub, Zuschüsse)
- Unternehmenskultur
Die Gehaltsangabe belegt den zweiten Platz, direkt hinter der Aufgabenbeschreibung und noch vor flexiblen Arbeitszeiten, dem Standort sowie Benefits. Laut Daten von Index Research aus Februar 2026 enthalten jedoch nur rund 22 Prozent der öffentlich ausgeschriebenen Stellen in Deutschland eine konkrete Summe oder zumindest eine Gehaltsspanne. Ihr Fehlen bleibt Bewerbenden nicht verborgen. Nur 29,6 Prozent bewerben sich unabhängig davon, ob ein Gehalt angegeben ist. 54,1 Prozent tun dies nur, wenn die Stelle sie besonders anspricht, 7,3 Prozent bewerben sich in der Regel nicht, und 9,0 Prozent bewerben sich grundsätzlich nie ohne Gehaltsangabe.
In welcher Form möchten Bewerbende das Gehalt sehen?
Die Richtlinie schreibt Gehaltsangaben vor, legt aber keine Form fest. Auf die Frage, welche Form der Gehaltsangabe am hilfreichsten wäre, verteilten sich die Antworten wie folgt:
- Konkretes Gehalt (z. B. 3.200 Euro brutto/Monat): 41,8 %
- Enge Gehaltsspanne (z. B. 3.000 bis 3.400 Euro): 34,6 %
- „Gehalt nach Vereinbarung": 13,6 %
- Breite Gehaltsspanne (z. B. 2.500 bis 4.200 Euro): 10,0 %

Infografik von Jooble zeigt die bevorzugten Formen der Gehaltsangabe unter Jobsuchenden in Deutschland. Mehr als drei Viertel der Befragten wünschen sich ein konkretes Gehalt oder eine enge Gehaltsspanne.
Der Vorzug von Klarheit und Konkretheit ist eindeutig. Die breite Gehaltsspanne landet trotz ihrer Verbreitung als vermeintlicher Kompromiss auf dem letzten Platz, und die Reaktion auf sie fällt deutlich schärfer aus, als man erwarten würde.
Dabei überzeugt die breite Gehaltsspanne nicht nur nicht, sie untergräbt aktiv das Vertrauen. 24,8 Prozent empfinden sie als kaum transparenter als gar keine Angabe. 37,0 Prozent vermuten, dass das Unternehmen bewusst plant, das niedrigstmögliche Gehalt aus der Spanne zu zahlen. Lediglich 23,8 Prozent sehen sie als besser als keine Angabe, und 14,4 Prozent ist die Form gleichgültig, solange die Details im Vorstellungsgespräch besprochen werden können.
Besonders ausgeprägt ist diese Reaktion bei Bewerbenden auf kaufmännische und bürobezogene Stellen: 75,3 Prozent von ihnen nehmen eine breite Gehaltsspanne negativ wahr. Bei Bewerbenden auf Führungspositionen liegt dieser Wert bei 62,3 Prozent, bei Fachkräften in technischen und IT-Berufen bei 57,5 Prozent, bei Befragten der Kategorie „Sonstiges" bei 58,9 Prozent und bei Bewerbenden in gewerblichen und handwerklichen Berufen bei 56,3 Prozent.

Infografik von Jooble zeigt, wie verbreitet die negative Wahrnehmung breiter Gehaltsspannen in verschiedenen Tätigkeitsbereichen ist. Den höchsten Wert erreichen kaufmännische und bürobezogene Berufe mit 75,3 Prozent.
„Eine breite Gehaltsspanne wird häufig als Schritt in Richtung Transparenz wahrgenommen, aber die Daten zeigen, dass sie für viele Bewerbende das Gegenteil bewirkt. Gleichzeitig sind die Erwartungen an die Richtlinie hoch: Fast 70 Prozent der Befragten rechnen damit, persönlich von den neuen Anforderungen zu profitieren. Arbeitgebende, die sich auf die Erfüllung der Mindestanforderungen beschränken, riskieren, diesen Erwartungen nicht gerecht zu werden, besonders bei Positionen, die ohnehin schwer zu besetzen sind", ergänzt Kateryna Cherniaieva, DACH-Leiterin bei Jooble.
Vertrauen Bewerbende darauf, dass Arbeitgebende ohne gesetzliche Verpflichtung fair zahlen?
Die Richtlinie schafft neue Pflichten, doch die Haltung der Bewerbenden gegenüber Arbeitgebenden hat sich lange vor ihrer Verabschiedung gebildet. Auf die Frage, ob sie darauf vertrauen, dass Arbeitgebende auch ohne gesetzliche Verpflichtung fair und gleich bezahlen, antworteten nur 15,3 Prozent mit „ja, voll und ganz", weitere 24,0 Prozent vertrauen eher schon. Mehr als jede zweite Person vertraut hingegen nicht, entweder eher nicht (46,1 Prozent) oder überhaupt nicht (14,6 Prozent).
Nach dem bisherigen Gehalt fragen: eine Gewohnheit, die aufgegeben werden muss
Besondere Aufmerksamkeit verdient eine Praxis, die die Richtlinie ausdrücklich verbietet: die Frage nach dem bisherigen Gehalt im Vorstellungsgespräch. Laut Umfragedaten gaben 22,9 Prozent der Befragten an, häufig nach ihrem bisherigen Einkommensniveau gefragt worden zu sein, weitere 31,7 Prozent haben dies zumindest einmal erlebt. Nur 33,5 Prozent geben an, nie danach gefragt worden zu sein, und 11,9 Prozent erinnern sich nicht.
Von denjenigen, die diese Frage gestellt bekamen, hatte jede dritte Person das Gefühl, dass die Antwort das Gehaltsangebot negativ beeinflusst hat. 27,1 Prozent bemerkten keinen solchen Einfluss, während 41,0 Prozent unsicher waren.Anders ausgedrückt: Eine Praxis, die ab Juni 2026 nicht mehr zulässig ist, hat bei mehr als der Hälfte der befragten Bewerbenden Spuren hinterlassen.
Methodik
Die Umfrage wurde von Jooble im Zeitraum vom 07. April bis zum 06. Mai 2026 durchgeführt. Insgesamt nahmen 1.231 Personen teil, die aktiv eine Stelle in Deutschland suchen. Die statistische Fehlerquote liegt unter 3 Prozent.
Die größte Altersgruppe unter den Befragten sind Personen ab 55 Jahren (35,2 Prozent), gefolgt von 45 bis 54 Jahren (24,4 Prozent), 35 bis 44 Jahren (20,7 Prozent), 25 bis 34 Jahren (12,9 Prozent) sowie 18 bis 24 Jahren (6,8 Prozent). Nach Tätigkeitsbereich entfallen 35,2 Prozent auf die Kategorie „Sonstiges", 25,7 Prozent auf gewerbliche und handwerkliche Tätigkeiten, 21,7 Prozent auf kaufmännische und bürobezogene Berufe, 11,8 Prozent auf fachliche und technische Berufe und 5,6 Prozent auf Führungspositionen.
Über Jooble
Jooble ist ein globales produktbasiertes IT-Unternehmen, das als sein Hauptprodukt eine internationale Jobsuchmaschine entwickelt, die Millionen Menschen aus 66 Ländern täglich benutzen. Sie gehört zu den Top-10-Webseiten der Welt in der Kategorie 'Jobs und Beschäftigung' bezüglich des Traffics laut Similarweb.

