Während in Deutschland weiter über die Modernisierung der Arbeitszeitgesetze diskutiertwird – darunter eine mögliche Umstellung von täglichen auf wöchentliche Höchstgrenzensowie die Einführung einer verpflichtenden elektronischen Zeiterfassung – hat Jooble, eineder größten Jobsuchmaschinen in Deutschland, eine Umfrage unter Arbeitssuchenden durchgeführt. Ziel war es, herauszufinden, wie gut die Vorschläge bekannt sind, welche Erwartungen damit verbunden werden und welche Sorgen bestehen. Insgesamt nahmen 1.140 Personen an der Befragung teil.
Bekanntheit der vorgeschlagenen Reformen
Bevor sie an der Umfrage teilnahmen, wussten 56 % der Befragten nichts über die aktuellen politischen Diskussionen zu Arbeitszeiten und Zeiterfassung. Gleichzeitig gaben 44 % an,mit den Vorschlägen vertraut zu sein.
Einstellungen zur Abschaffung täglicherArbeitszeitgrenzen zugunsten eines Wochenmaximums
Nach aktuellem deutschem Recht ist die tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden begrenzt, mit möglichen Ausweitungen auf zehn Stunden unter bestimmten Bedingungen. Ein diskutierter Reformvorschlag sieht vor, die wöchentliche Höchstgrenze von 48 Stunden beizubehalten, jedoch die starre tägliche Begrenzung zu streichen – was mehr Flexibilität ermöglichen könnte.
Die Umfrage zeigt ein breit gefächertes Meinungsspektrum zu dieser möglichen Änderung. 50,7 % bewerten den Vorschlag positiv, 20,8 % sind neutral. Auf der kritischen Seite stehen 28,5 %, was die Vielfalt der öffentlichen Meinung unterstreicht.

Die Mehrheit der Befragten (50,7%) steht f positiv gegenüber. 20,8% sind neutral und 28,5% bewerten diese Änderung negativ.
Auf die Frage nach ihrer allgemeinen Haltung zu wöchentlichen Arbeitszeitmodellen gaben 39 % an, dass dieses System Vor- und Nachteile habe. 29,3 % verbinden damit vor allem mehr Freiheit und Flexibilität. 27,9 % befürchten dagegen längere oder anstrengendere Arbeitstage. 3,8 % waren unentschlossen.
Einfluss wöchentlicher Arbeitszeitgrenzen auf Bewerbungsentscheidungen
Auf die Frage, wie sich Stellenanzeigen in Deutschland mit wöchentlichen statt täglichen Arbeitszeitangaben auf ihre Bereitschaft zur Bewerbung auswirken würden, zeigten sich ähnlich gemischte Reaktionen. 44,6 % würden sich unter einem Wochenmodell eher bewerben, 27,1 % wären weniger geneigt und 28,3 % sehen keinen Unterschied.
Einstellungen zur verpflichtenden elektronischen Zeiterfassung
Ein weiterer zentraler Reformvorschlag betrifft die verpflichtende elektronische Arbeitszeiterfassung, mit möglichen Ausnahmen für kleinere Unternehmen.
Auch dieses Thema erzeugt geteilte Meinungen. 60,8 % unterstützen eine verpflichtende elektronische Erfassung, 22,2 % sind neutral und 17 % lehnen sie ab. Auf die Frage, wie sich eine solche Pflicht auf die Attraktivität eines Arbeitsplatzes auswirken würde, sagten46,8 %, dass sie dadurch ein Beschäftigungsverhältnis attraktiver fänden – vor allem aufgrund klarerer Regeln und mehr Fairness. 21,4 % sehen eine sinkende Attraktivität, da sie mehr Kontrolle befürchten. Für 31,8 % hätte es keinen Einfluss.

Eine deutliche Mehrheit von 60,8% unterstützt die verpflichtende elektronische Zeiterfassung. 22,2% haben keine Meinung dazu, während 17% diese Maßnahme ablehnen
Die Bedenken im Zusammenhang mit der elektronischen Zeiterfassung waren ebenfalls unterschiedlich. Während 33 % keinerlei Bedenken äußern, sorgen sich 25,6 % über eine übermäßige Kontrolle durch den Arbeitgeber, und 24,3 % rechnen mit technischen Herausforderungen oder zusätzlichem administrativem Aufwand. Datenschutz- und Privatsphärenrisiken werden von 14,6 % genannt, und 2,5 % erwähnen andere Probleme, die eine breite Palette weiterer von den Befragten genannter Punkte umfassen.
Zu diesen „anderen Problemen“ gehörten:
- Bedenken hinsichtlich Überwachung, Kontrolle und einem möglichen Vertrauensverlust
- Angst vor im Laufe der Zeit strengeren Regeln oder eingeschränkter Autonomie
- Möglicher Datenmissbrauch aufgrund unterschiedlicher Zugriffsberechtigungen
- Technische Schwierigkeiten, unzuverlässige Systeme und zunehmender administrativer Aufwand
- Herausforderungen bei der Zeiterfassung im Außendienst, auf Reisen oder im Homeoffice
- Sorge vor Manipulation, falschen Zeiterfassungen oder unfairen Abzügen
- Nicht vergütete Überstunden trotz elektronischer Erfassung
- Schwierigkeiten, starre Erfassungssysteme mit flexiblen oder modernen Arbeitsmodellen zu vereinbaren
- Erhöhter Stress durch Systemkomplexität oder Verwirrung
- Unsicherheit darüber, wie die Zeit erfasst würde (manuelle Eingabe, Karte, biometrische Methoden)
Vertrauensarbeitszeit vs. strikte Zeiterfassung
Die Befragten wurden zusätzlich gefragt, welches Arbeitszeitsystem sie für am vorteilhaftesten halten. Strikte Zeiterfassung wird von 22,3 % bevorzugt, während 29,8 %Vertrauensarbeitszeit favorisieren. Der größte Anteil (47,9 %) spricht sich für ein hybrides Modell aus, das Elemente beider Systeme kombiniert, wodurch es zum am weitesten unterstützten Modell wird.
Die Teilnehmenden äußerten ein breites Spektrum an Vorschlägen für politische Entscheidungsträger. Viele forderten weniger Bürokratie und klarere, praktischere Regelungen sowie mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeiten, zum Beispiel anpassbare Arbeitspläne oder verbesserte Homeoffice-Möglichkeiten. Gleichzeitig betonten zahlreiche Kommentare die Notwendigkeit, den Arbeitsschutz aufrechtzuerhalten – einschließlich Grenzen der Arbeitszeit, verlässlicher Ruhezeiten und transparenter Überstundenregelungen. Weitere Vorschläge hoben die Bedeutung vertrauensbasierter Arbeitskulturen, fairer und konsistenter Zeiterfassung sowie eine engere Abstimmung zwischen politischen Entscheidungen und realen Arbeitsbedingungen hervor, ergänzt durch Hinweise auf branchenspezifische Herausforderungen und den Wert von Autonomie für Beschäftigte.
Gesamtauswirkungen auf die Attraktivität von Jobs in Deutschland
Abschließend, in Bezug auf die Gesamtwirkung der vorgeschlagenen Reformen auf die Jobattraktivität in Deutschland, erwarten 46 %, dass die Reformen Jobs attraktiver machen werden, während 32,3 % keinen Unterschied erwarten und 21,8 % einen Rückgang prognostizieren.

Fast die Hälfte der Befragten (46%) findet, dass die vorgeschlagenen Reformen Jobs in Deutschland attraktiver machen. 32,3% sehen keine Veränderung und 21,8% bewerten die Auswirkungen als weniger attraktiv.
Methodik
Die Umfrage wurde von Jooble unter Reformen zu Arbeitszeiten und elektronischer Zeiterfassung im Zeitraum vom 14. Oktober bis 27. November durchgeführt. Insgesamt nahmen 1.140 Personen teil. Die statistische Fehlerquote liegt unter 3%.
Von den Befragten sind die größte Altersgruppe ist 55 Jahre und älter (29,6 %), gefolgt von 45 bis 54 Jahren (25,7 %), 35 bis 44 Jahren (21 %), 25 bis 34 Jahren (15,1 %) und unter 25Jahren (8,6 %). Bezogen auf das Bildungsniveau verfügen 40,1 % über eine Berufsausbildung, 29,7 % über einen Schulabschluss und 30,2 % über einen Hochschulabschluss (Bachelor oder Master). Die Teilnehmenden der Umfrage suchen derzeit Jobs in ganz unterschiedlichen Branchen – darunter im Gesundheitswesen (15,2 %), in Produktion/Industrie (13,5 %), im Bereich Handel/Gastronomie (11,9 %), inLogistik/Transportsowie (11 %), im IT-/Technik-Sektor (8,4 %) – und viele weitere Bereiche.
Über Jooble
Jooble ist ein globales produktbasiertes IT-Unternehmen, das als sein Hauptprodukt eine internationale Jobsuchmaschine entwickelt, die Millionen Menschen aus 67 Ländern täglich benutzen. Sie gehört zu den Top-10-Webseiten der Welt in der Kategorie 'Jobs undBeschäftigung' bezüglich des Traffics laut Similarweb.

